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Ungeheuerlich! Der Drache in der Altenburger Stiftskirche

Ungeheuerlich! Ausgerechnet in einem kleinen Ort im Waldviertel befindet sich der GRÖSSTE DRACHE DER EUROPÄISCHEN MONUMENTALMALEREI! In der Stiftskirche Altenburg. Hier findet das Motiv des Drachens außerdem zum ersten Mal Einzug in die Deckenmalerei – zuvor war es nur kleinformatig in Bibelillustrationen dargestellt worden.

 

Wenn das keine Besonderheit ist?! ;) 

 

Der Maler Paul Troger wurde im Jahr 1732 vom damaligen Abt Placidus Much beauftragt, die 700 m2 (!!!) große Kuppel in der Altenburger Stiftskirche innerhalb von "2 Sommern" auszumalen. Gezeigt werden sollte die biblische Erzählung des 12. Kapitels der Geheimen Offenbarung des Johannes, deren Schilderung er folgt:

 

"Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt. (...) Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau , die den Sohn geboren hatte. (...) Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe; sie öffnete sich und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen gespien hatte." – Offb 12, 9-16

 

Paul Troger stemmte die Aufgabe sogar in nur einem "Sommer" (von April bis November) mit zwei Gehilfen! Ein Gemeinschaftswerk. In Freskotechnik ausgeführt, musste das Gemälde in sogenannte Tagwerke eingeteilt werden. Da der Auftrag "al fresco", also in den frischen Putz, erfolgte, wurde immer nur so viel Fläche für die Fresken verputzt, wie der Maler an einem Tag zu malen gedachte. Aus dem "Giornaten-Plan" geht hervor, dass Troger sich etwa am 81. Tag dem besagten Drachen an der Westseite gewidmet haben muss.

 

Die beliebteste Schätzfrage bei "Führungen", an Kinder und Erwachsene, lautet:

 

"Wie lange ist der Drache von der Schwanzspitze bis zur Nasenspitze?"

 

Obwohl er von unten im Kirchenraum nicht so groß wirkt, schätzte ihn ein Kind eines Tages auf 1 km, wobei die Lehrerin sofort einschritt: "Musst du bis nach Hollabrunn fahren, um die Schwanzspitze zu erreichen?!

Der perfekte Zeitpunkt bei Volksschulklassen ist der, wenn das Messen von Längen und die Entwicklung der Vorstellung von Größenverhältnissen in vollem Gange ist und eben erst die Klassenräume ausgemessen wurden. Denn hier lassen sich die Dimensionen am besten in Relation bringen: Ist eine Seite des Klassenzimmers zum Beispiel 5 Meter lang, dann ist es bis zum Altenburger Drachen nicht mehr weit...

 

...dieser ist 6 Meter lang!!

 

Eine Möglichkeit Dimensionen auch durch Bewegung körperlich erfahrbar zu machen ist das Abgehen der Entfernung. Das gelang wunderbar mit Kleingruppen, als im Gang vor den Kaiserzimmern noch ein (seitenverkehrtes) Karton-Modell des Drachens in Originalgröße angebracht war – siehe mein absolutes Lieblings-Grätschen-Foto unten. ;)  


Wer genau hinschaut, kann sehen, dass Paul Troger für den Drachen von vielen verschiedenen Tieren Details stibitzt hat: Der geschuppte Schwanz  kringelt sich schlangenähnlich, die Flügel stammen von einer gigantischen Fledermaus und die Pranken von einem Löwen. Der Kopf mit aufgerissenen roten Augen ähnelt dem eines Reptils und die Zähne sind gefletscht, wie bei einem knurrenden Hund. Oder wie siehst du das? :) 

 

Als Inspiration für die Darstellung könnten Troger die Wasserspiele des benachbarten Schlosses Greillenstein gedient haben. Dort hat um 1720 der Bildhauer Philipp Rochus Eberl eine Kaskade mit riesigen Muscheln aus Kirchberger Granit errichtet, dessen Abfluss für einen Forellenteichen ein wasserspeiender Drache war.

Außerdem kommt einem bei der Betrachtung des Altenburger Fabelwesens auch schon mal der Klagenfurter Lindwurm (ca. 1590) in den Sinn. 

 

An mehreren KINDERSONNTAGEN im Stift Altenburg haben wir uns gemeinsam von Trogers Drachen-Darstellung Anregungen geholt, das Papier soweit aufgerollt, bis wir bei circa 6 Metern angelangt waren und mit Gouache-Farben gemalt – manchmal einfach darauf los, manchmal mit vorhergehender Absprache.

 

Die individuellen Ergebnisse können sich jedenfalls (weiter unten) sehen lassen! :) 


Wenn du Lust bekommen hast den Drachen mit eigenen Augen zu sehen...heute, am 1. Mai, ist Saisonstart im Stift Altenburg. Informationen zu meinen öffentlichen Führungen erhältst du auf Anfrage oder in meinem Newsletter, für den du dich unten anmelden – und jederzeit wieder abmelden – kannst. :) 


Fotos: Hanna Engelmann und Sophie Führer

Literatur: PAUL TROGER & Altenburg, Hrsg. Stift Altenburg, Autoren: Andreas Gamerith und Monika Dachs-Nickel

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Kommentare: 2
  • #1

    Sabine aus Krems (Donnerstag, 02 Mai 2019 21:55)

    ...endlich! - der lang ersehnte Drachen-Beitrag �

  • #2

    Sophie (Freitag, 03 Mai 2019 00:11)

    <3
    Bei den letzten 2 Dokumentations-Fotos standest du noch neben mir! ;)