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Von Bundschließen, Momenten und Enten. Was sammelst du?

"Wasammelst Du?" fragte mich Melanie vor fast genau zwei Jahren im Zuge des Liebster AwardsMeine Antwort würde heute wahrscheinlich ähnlich, nur nicht mehr ganz so drastisch, ausfallen ;): 

"Zettel. Zeitungsausschnitte, Magazine, Schulungsunterlagen, Geschichten von Menschen – ich bin in dieser Hinsicht ein unverbesserlicher Messy! I collect moments...AND things. Zum Beispiel auch Dinge, die ich bei einem Spaziergang in der Natur finde: Federn, Steine, Wurzeln, Blätter und Blumen für die von Papa und mir selbstgemachte Blumenpresse."

 

Durch den Zuzug der Sammlung Arnold ins Stift Altenburg im vergangenen Jahr, habe ich mich dann für den KINDERSONNTAG zum ersten Mal bewusst mit dem Thema Sammeln beschäftigt und darf die Thematik dieses Jahr in meiner kunstvermittelnden Arbeit im Kunsthistorischen Museum wieder aufgreifen: Dort findet noch bis 28. April 2019 die von Wes Anderson und Juman Malouf kuratierte Ausstellung "Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures" statt.

Zwei Jahre lang haben der texanische Filmemacher und seine Partnerin, eine Autorin und Illustratorin, aus allen vierzehn(!) Sammlungen des Kunsthistorischen Museums, zuzüglich des Naturhistorischen Museums, wiederum ihre ganz persönliche Sammlung zusammengestellt.

 

Das Ergebnis ist mit mehr als 400 Objekten die bisher quantitativ größte und herausforderndste Ausstellung des Hauses!

 

Wesentliche Motoren beim Sammeln wurden auch hier berücksichtigt: entdecken, bewahren, ordnen, ausstellen oder Auswahl, Ordnung, Neukombination. Sammeln und schließlich ordnen lässt sich etwa nach Thema, Größe, Herkunft, Material, Form, Zeitraum, Funktion oder Farbe. Einige Sammlungen werden ein ganzes Leben lang zusammengestellt, andere nur für ein paar Stunden. Dreh- und Angelpunkte jeder Sammlung sind meist die Sammlerpersönlichkeiten.

Auch im Ausstellungsprojekt von Anderson und Malouf ging es darum, aus den bestehenden Sammlungen der Habsburger, wiederum eine eigene Sammlung zusammenzutragen und nach eigenen Kriterien zu präsentieren, was alle Beteiligten oft vor große Herausforderungen stellte. Ein Beispiel: Stell dir vor, du hast etwa sieben Jahre studiert, bist Kurator oder Sammlungsleiter, arbeitest wissenschaftlich und bekommst eines Tages die Anfrage:

 

"Haben Sie etwas Gelbes? Etwas Blaues?" und schließlich: "Haben Sie etwas Grünes?"

 

Wer Andersons Filme kennt, weiß, dass hier die Farbgebung eine große Rolle spielt. Auf weitere – mögliche – Analogien zwischen Film und Ausstellung möchte ich aber hier nicht weiter eingehen. ;)

Dieses systematische Sammeln nach Farben hat mich wiederum an ein faszinierendes Lebewesen aus der Tierwelt erinnert. Der männliche Laubenvogel, den es ausschließlich in Neuguinea und Australien gibt, schmückt seinen Laubenbau mit Objekten, die er nach ihrer Farbe sammelt und ordnet!!! <3 Nach diesem Laubenvogel, dem Bowerbird, hat die Interior Designerin Sibella Court wiederum eines ihrer Bücher benannt: "Bowerbird: Creating Beautiful Interiors with the Things You Collect". Beim derzeitigen Aufräum-Trend rund um Marie Kondo ist es aber gar nicht so leicht Sammlungen in den eigenen vier Wänden zu rechtfertigen. Tanja Dückers schreibt im ZEITmagazin in ihrer Kritik an Kondos Aufräumprinzipien: "Es gibt durchaus eine Alternative zum Wegschmeißen: die schöne, wertschätzende Aufbewahrung.“ Setzkästen 4 ever! Wie kunstvoll Aufbewahrung für Sammlungsobjekte sein kann, kann man ebenfalls in der "Spitzmaus-Ausstellung" bewundern. Vielleicht magst du dir außerdem auf meiner stetig wachsenden Pinterest Pinnwand Anregungen zum Sammeln und Aufbewahren holen?! :)

Wir alle haben nämlich mehr oder weniger unsere eigenen Sammlungsgeschichten, die ich bei “Führungen” durch die Ausstellung gerne von den BesucherInnen erfrage.

Jetzt habe ich auch ein paar meiner Freunde dazu befragt und sie waren so toll, ihre eigenen Sammlungserfahrungen hier mit uns zu teilen!!! <3 Entstanden ist somit eine Sammlung an großartigen, persönlichen Sammlungsgeschichten


"Ich hab als Kind immer jeden Scheiß mitgenommen: Steine, Stöcke und so weiter und unter anderem mal ein blaues Plastikteil – oval und daran hing eine rot-weiß gemusterte Schnur. Ich fand das Ding so cool, habe es ewig mitgeschleppt, obwohl ich nicht wusste, wofür es da ist und niemand konnte es mir sagen. Jahre später, da war ich glaube ich knapp 20, habe ich gesehen, dass das die Briefträger benutzen, um Briefe zusammenzubinden. Das war eine ziemliche Erleuchtung für mich." – Conny und ihre Bundschließe (die sich vermutlich noch immer in einer "weißen Hutschachtel im Kinderformat mit pinken Herzen darauf" befindet) 

 

"Momentan sammle ich gar nichts, weil ich keinen Haushalt und keine homebase habe, wo ich sammeln könnte, aber ich wäre glaube ich schon sehr anfällig für das Sammeln. Momentan sammle ich wunderschöne Momente mit fantastischen Menschen um mich herum und sammle einfach: Erlebnis, Moment, Leben, Jetzt

Das einzige was ich aber immer wieder einkaufe und wo ich wirklich eine collection zuhause habe, sind Heftchen. In Italien finde ich immer wunderschöne und da kaufe ich nicht immer nur eins, sondern acht. Und ich schreibe nicht hinein, weil sie so schön sind.

Als Kind habe ich gerne Steine und Muscheln gesammelt und die habe ich kiloweise noch. Ich werde mich aber von allen entledigen – sie müssen wieder in die Natur zurück."  – Feli, meldet sich derzeit aus dem wunderschönen Alpen Retreat

 

"Ich war leider schon immer nicht so die Sammlerin, könnte nur was zum Thema 'Ausmisten' beitragen." – Veronika, von der Marie Kondo die Idee geklaut hat

 

"Ich behaupte auch immer, dass ich nicht sammle. Aber wenn ich mir die Kiste mit Notizbüchern anschaue und wieviele davon beschrieben sind, im Verhältnis dazu, wieviele ich neu kaufe...und WIE ich sie kaufe und aussuche...räusper. 

In der Volksschule hatte ich einmal eine Phase, in der ich abgebrochene Buntstiftminen gesammelt habe. Ich glaube, ich habe sie in einer Schachtel gehabt und immer wieder farbig sortiert. Auch weird!" – Vroni, Minenbesitzerin (von der guten, bunten Sorte)

 

"Eigentlich habe ich als Kind nicht bewusst gesammelt, aber ich war besessen von Lego! Habe Lego also stets indirekt gesammelt! Und aufgemacht! :) Und heutzutage habe ich mit  LEGO Architecture angefangen die 'Sammlung' zu erweitern. Weil es ist ja für große Kinder! :)" – Joshi, Lego- und Architekturexperte

 

"Ich habe nie etwas gesammelt, nur immer zur Sammlung anderer etwas beigetragen." – Anna, your girl, wenn bei deiner Sammlung mal was hakt 

 

"Gesammelt habe ich schon als Kind gerne. Dabei hatte ich ein Faible für nostalgische Sammlerstücke: Fleißbildchen, Glanzbilder, Motiv-Briefmarken,... Dinge an die man in einer Kleinstadt (und damals noch ohne das Internet) nicht immer leicht herankam. Umso größer war meine Freude dann, wenn es in meiner Lieblingsbuchhandlung wieder Fleißbildchen zu kaufen gab, das örtliche Antiquariat eine Lieferung Briefmarken erhalten hatte oder im Strickladen funkelnagelneue Glanzbilder in der Auslage lagen. Ich denke, dass gerade die oftmals seltene Verfügbarkeit der Wunschobjekte auf mich einen besonderen Reiz ausübte und meine Sammlerleidenschaft geweckt hat." – Mati, schwelgt in Erinnerungen an eine analoge Zeit

 

"Meine Entensammlung:

Lange habe mich gesperrt, meine Sammlung eine Sammlung zu nennen – denn ich kam unbeabsichtigt zu ihr und sehe mich wenig als sammelnden Menschen. Die erste Ente bekam ich mit ca. 6 Jahren: mein Vater,  Sinologieprofessor, erzählte von seinen Reisen in dieses mysteriöse Land. Und brachte mir eine Holzente mit, verziert und geschmückt war sie. Daraus wurde eine Tradition: jedes Mal bekam ich eine Ente. Das bekamen nun auch andere mit und so "sammelten" sich die Enten, in allen Farben und Formen. Bis zu meinem 18. Lebensjahr hatte ich beinahe alles in Entenform: jegliche Küchenutensilien, Haarbürste, Lichterkette, Bademantel, Fahrradklingel... Man glaubt gar nicht, was es alles als Ente gibt. Und so hatte ich wahrscheinlich über 60 Enten – von denen habe ich mir maximal 4 selbst gekauft. Mittlerweile habe ich aussortiert und mich auf ca. 20 beschränkt – manche sind einfach praktisch (z. B. das Tee-Ei, die Salz-und Pfefferstreuer, Untersetzer). Mir fällt gar nicht mehr auf, was ich alles als Ente besitze. Aber anderen Menschen, wenn sie in meine Wohnung kommen. Dann muss ich immer erzählen, dass ich gar nicht so sehr aus mir heraus "auf die Ente gekommen bin" , sondern dass es mir passiert ist. Sie sind zu mir gekommen, ganz ungeplant. Was mich gedanklich wieder an den Anfang bringt: nach China, wo die erste Ente herstammt: hier gibt es das Prinzip des Wuwei, das ich bei einer Teezeremonie kennenlernen durfte: übersetzt wird es oft mit Absichtslosigkeit..." – Saskia, bei der SICH die Enten sammelten


Um die Sammlung an Sammlungsgeschichten zu erweitern, hinterlasse sehr gerne ein Kommentar! :) 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefanie (Donnerstag, 07 März 2019 06:24)

    Danke Sophie, für die persönliche „Einladung“, auch meine Geschichte zu teilen!
    Damit sich die „Mitfreunde“ nicht benachteiligt fühlen- ich war etwas zu langsam um bei erstellen des Blogbeitrages meine Sammelgeschichte zu teilen- oder man könnte auch meinen: waren die anderen etwa schneller!!?!
    Nicht leicht zu verkraften für eine Perfektionistin- aber nein Spaß beiseite, her mit Ernst ;)

    Ähnlich wie Veronika könnte ich mehr von meinem - haha Achtung Wortspiel - geSAMMELtem Wissen über Ausmisten teilen. Aber auch ich sammle ein bisschen etwas: nämlich Magnete von jeder meiner Reisen! 2007 - meine erste Flugreise - habe ich damit begonnen. Manchmal darf auf eine Tasse mit- wenn ich gerade in Sammelllaune bin :) uuuund durch Saskias Beitrag bin ich drauf gekommen, dass ich auch Giraffen sammle.
    Aber meine Sammlungen halten sich generell quantitativ in Grenzen.

    Liebe Grüße Steffi, minimalistische und wohlbedachte Sammlerin