Mit DOGEN was am HUT haben. oder: wenn Ideen umgesetzt werden wollen

Als ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade im Zug von Venedig nach Wien. Wir passieren Orte wie Conegliano und Pordenone; über den Bergen bäumen sich dunkle Wolken auf, die Sonne der Lagunenstadt im Rücken. 

Geplant und angekündigt habe ich zwar den Beitrag schon Ende letzter Woche fertig zu haben; die Arbeit und die Vorbereitungen für das Wochenende in Venedig sind mir dann doch dazwischen gekommen – und das war letztendlich ganz gut, denn es hat den Dogenhut zu seinem Ursprung geführt! ;)

Aber jetzt mal ganz von vorne: Ich weiß nicht mehr genau wann, aber als ich zum ersten Mal Tizians Porträt des venezianischen Dogen Andrea Gritti sah, musste ich sofort denken:

 

"He, seine Knöpfe sehen ja aus, wie gold-verpackte Ferrero Rochers!!!"

 

Bis dahin hatte ich mit Dogen nichts am Hut. Aber ab da interessierten mich Dogen, samt ihren Knöpfen und ihrem Hut! 

Die Ideenschmiede war angeheizt. Ein Meme👆wurde erstellt, ein Gewinnspiel auf Instagram vorbereitet (als Preis gab's Ferrero Rochers) und Bastelkleister wurde eingekauft. Außerdem begann ich mich zu fragen: 

  1. Wer ist der Dargestellte und was weiß man über ihn? 
  2. Was ist ein "Doge" überhaupt?  
  3. Wann gab es den ersten, wann den letzten Dogen?
  4. Gab es auch weibliche Dogen?  
  5. Was hat es mit dem speziellen Outfit auf sich?
  6. Woher kommt der Dogenhut und wie könnte man so eine Kopfbedeckung gar selbst herstellen?

Kennt ihr das? Wenn eine Idee auftaucht, einen nicht mehr loslässt, man überall Zeichen bemerkt, die zur Idee hinweisen und einen zur Umsetzung antreiben – auch wenn die Idee noch so verrückt und seltsam ist...

 

Art Memes, Rätsel-Gewinn-Spiele oder Pappmaché-Hüte mögen nicht für jedermann und jederfrau sein und stoßen sicherlich auch auf Ablehnung, aber sie sind eine Möglichkeit dem Kunstwerk näher zu kommen und Teil meines Verständnisses davon wie Kunstvermittlung funktionieren kann! Man betrachtet ein Bild und plötzlich tauchen Assoziationen und persönliche Bezüge auf, die bestenfalls dazu anregen sich mit dem Kunstwerk genauer auseinanderzusetzen, seine eigene Kreativität einzusetzen und gegebenenfalls weiter zu recherchieren. Das habe ich in ähnlicher Form auch hier erlebt. 

 

Neugier ist dabei ein großer Motor. 

 

Nicht nur wollte ich die historischen Hintergründe wissen, ich wollte auch wissen, ob bei mir so ein Gewinnspiel funktionieren kann und wie so ein Meme angenommen wird. Mit der Veröffentlichung habe ich lange immer wieder gehadert, aber etwas in mir "wollt's wissen", auch wenn's in die Hosen geht. ;)  

 

"Ideas are driven by a single impulse: to be made manifest."

– Elizabeth Gilbert in Big Magic: Creative Living Beyond Fear

 

Dogen-Facts to go

  1. Der Dargestellte👆Andrea Gritti war von 1523 bis 1538 der 77. Doge von Venedig. Im italienischen Bardolino geboren, verbrachte er seine ersten politischen Jahre in Konstantinopel, um die Interessen Venedigs zu vertreten. Das originale Bild von Tizian hängt in der National Gallery of Art Washington. 
  2. Der Doge (von lateinisch: Dux) war das auf Lebenszeit gewählte Staatsoberhaupt der Republik Venedig. Auch in Genua und Senarica gab es Dogen, wenn sie auch nicht so mächtig waren wie in Venedig. 
  3. Der erste Doge von Venedig war der Tradition nach Anafestus Paulucius (697–717), wenngleich noch von Byzanz ernannt, um die Verteidigung gegen Langobarden und Slawen zu organisieren. Der letzte Doge, Ludovico Manin, dankte am 12. Mai 1797 ab, nachdem sich der Große Rat zuvor selbst aufgelöst hatte. Das bedeutete das Ende der Republik Venedig.
  4. Weibliche Dogen an der Macht gab es keine. Die Ehefrau des Dogen wurde als Dogaressa bezeichnet und trug ebenfalls eine, wenn auch etwas kleinere, Kappe auf dem Kopf.  
  5. Zum Outfit: Der Umhang war aus Brokatstoff bzw. als Herrschaftssymbol auch aus Hermelinpelz, der Untermantel meist mit üppigem Luchsfell verbrämt. Zum Gewand des Dogen mit Stehkragen gehörten als fixer Bestandteil auch die auffallenden Knöpfe, die campanoni d’oro. CAMPANONI D'ORO! Die "goldenen Glocken"... also keine Ferrero Rochers. ;)
  6. Der Dogenhut wird als "Corno Ducale" bezeichnet. Über einer Leinenmütze ("weißer Camauro") wird eine steife Kappe in Form einer phyrgischen Mütze mit hornartiger Spitze getragen. Die Form des Hornes galt als Symbol der Macht. Besonders spannend finde ich diese Geschichte dazu: als die Dogen Anfang des 9. Jahrhunderts den Dogenpalast an den heutigen Markusplatz verlegten, befand sich dort der Nutzgarten des nahegelegenen Nonnenklosters San Zaccaria. Die Nonnen mussten den Grund Stück für Stück abtreten und durften dafür den Dogenhut besticken. Die Äbtissin überreichte dem Dogen bei ihren Höflichkeitsbesuchen jedes Jahr einen neuen Hut.

Robert Langdon lässt grüßen. 

 

The more curious we are the more creative we become.

– David DuChemin

 

Auf den Hut gekommen

Wie bin ich jetzt also auf den Hut gekommen? Nach der Recherche zum Aussehen des "Corno Ducale", ein Experiment...einen Dogenhut selbst basteln. Bei meiner Online-Suche wurde ich fast verrückt, ob all der "verrückten" und "lustigen" Hüte und hab' mich schlicht für die Pappmaché Version entschieden. Mit Pappmaché habe ich zum letzten Mal in der Volksschule gearbeitet und musste deshalb mal nach Anleitungen suchen. ;)

  • In der leider nicht umweltfreundlichen Version nimmt man Alufolie und drückt sie in Form des eigenen Kopfes zurecht.
  • Unebene, überstehende Teile kann man mit Klebeband festkleben. 
  • Bastelkleister nach Packungsanleitung anrühren, 20 Minuten rasten lassen und währenddessen die Zeitungen in kleine Stücke reissen. 
  • Mit einem Pinsel vorsichtig die erste Schichte Pappmaché-Kleister auftragen und die Zeitungsschnippsel leicht darauf drücken. Juhu! Das Ganze lässt sich wie Ton mit den Fingern glatt streichen. Den Vorgang mehrere Male wiederholen. Ich habe insgesamt fünf Lagen gemacht und nach der 3. Lage trocknen lassen. Während des Prozesses habe ich nochmal nachjustiert, das Horn fülliger gemacht und einen "Kronenreif" angefügt (siehe unten).
  • Nach dem Trocknen über Nacht entweder zuerst mit Schleifpapier begradigen oder – für Ungeduldige wie mich – sofort bemalen. ;) 

"Nimmst du den Hut leicht mit nach Venedig?"

Ich: "Neeein. Geh bitte."

Auch ich: 2 Tage später...

Welche Ideen wolltet ihr schon lange umsetzen? 

Was hindert euch daran? 
Was braucht ihr, um eure Ideen zu verwirklichen? 
Stimmt ihr Elizabeth Gilberts Satz "Ideas are driven by a single impulse: to be made manifest" zu, oder sind manche Ideen dazu gedacht einfach Ideen zu bleiben? Wonach (Zeit, Geld, Ressourcen zur Umsetzung, Angst vor Beurteilung von außen,...) trifft man die Entscheidung? 
Wie geht ihr damit um, wenn eine verwirklichte Idee nicht aufgeht oder nicht angenommen wird? 
Ich höre liebend gerne von euch!! Auch gerne per Mail: hallo@sophiefuehrt.at. 

 

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Bildnachweis: Tizian (1488/1490 - 1576) | Doge Andrea Gritti | 1546/1548 | Öl auf Leinwand | Credit: Samuel H. Kress Collection, National Gallery of Art Washington, NGA Images https://images.nga.gov

 

Literaturnachweis: Karl H. Ritschel, Legende Venedig: Porträt einer Stadt, Otto Müller Verlag 2012. 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    leni (Montag, 02 April 2018 14:34)

    Super ��

  • #2

    Sophie (Mittwoch, 04 April 2018 23:39)

    :-D