Ran an den Safran! Der alte Gesundheitsschlager in herrlichen Farben (+ Malanleitung)

Jetzt ist die Zeit, in der er aus dem Boden schießt, der crocus sativus!

Der ursprl. aus dem Mittelmeerraum stammende blau-violette Krokusblütler, aus dem die kleinen roten Safranfäden (die sog. Narben oder Griffel) gewonnen werden, hat jetzt Hochsaison. Und er bringt herrliche Farben in Herbst!

Bis vor einem Jahr - muss ich zugeben - wusste ich nicht mehr über das Gewürz als "Safran macht den Kuchen gehl" - also GELB. Dass ich jetzt so etwas wie ein kleine Safran-"Expertin" bin, verdanke ich Christine Ferrari. Sie drohte in ihrem Schweizer Akzent, wir dürften ihre Safranfarm in Marokko nicht verlassen, solange wir nicht ein paar Tests bestünden. Kurze Schockstarre (einmal mehr auf dieser Reise).

 

Es stellte sich aber heraus, dass die "Tests", wie z.B. der Echtheitscheck, leicht durch ihre ausführlichen Erklärungen lösbar waren! Wobei man sagen muss, dass ich natürlich gut aufpasst habe, damit ich das (wunderschöne, nebenbei bemerkt) Areal auch ja wieder verlassen konnte...und das ist mir offensichtlich gelungen, weil ich mich dieses Jahr selbst an der Ernte versucht habe und zwar bei Horstinhurst - Waldviertler Safran. Also ganz dahoam. :-D

Das Ergebnis: 1 viertel Stunde hin und zurück radeln, 1 Stunde lang 1 Körbchen voll Blüten ernten, 12 Euro zahlen, 1 fast abgefrorene Hand versorgen, 1 Stunde Safranfäden entfernen, 1 Gramm Safran mein eigen nennen und 1 halbe Stunde im Ofen trocknen,... 

Hard work. Nicht umsonst ist Safran, das rote Gold, eines der teuersten Gewürze der Welt - vom Setzen der Knollen bis zum Abfüllen des fertigen Produktes in Gläschen erfolgt alles in Handarbeit. Aber ich würde werde es wieder tun! ;-)

Spannend das Ganze mal mit eigenen Augen, Händen und der Nase erlebt zu haben. Letztere kann man bei der Safranpflanze übrigens besonders fordern: zu Beginn habe ich meine Nase in das Körbchen voller lila Blüten regelrecht reingestopft und beherzt den rosigen, honigsüßen Blumenduft eingezogen. Die bereits getrockneten Safranfäden selbst weisen hingegen einen anderen Geruch auf: Sie riechen stark holzig, erdig, etwas bitter, ein wenig nach Honig und ja, ich finde ein bisschen nach Zahnarzt.

Ohne euch - vor allem den Dentalphobikern unter euch - jetzt den Appetit verderben zu wollen! Denn Safran ist in kleinen Mengen(!) eine großartige Heilpflanze und eignet sich super als Ingredienz für Tee, zum Backen und Kochen. Von Safran-Keksen, über -Kuchen, -Reis und -Couscous bis hin zur Verfeinerung von Linsengerichten ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Kochtipp von Frau "wie das Auto" Ferrari: die Fäden nicht mitkochen, sondern zuerst mit Wasser übergießen, mörsern und erst ganz am Schluss hinzufügen - so wird der Safran am Besten verteilt und das Gericht am Optimalsten eingefärbt.

Apropos färben! Wenn "Kunst" auf "Gesundheit" trifft....erinnert ihr euch an meinen Beitrag Malen mit Naturfarben aus Kurkuma? Das Ganze geht natürlich auch mit Safran; mit dem roten Ferrari unter den Gewürzen ist das aber natürlich die Luxusversion. ;)  

Für ein sonnengelbes Safranbild braucht ihr:

  • (dickes Aquarell-)Papier
  • Safranfäden 
  • heißes Wasser
  • evtl. Stifte, Pinsel, Pipette

Safranfäden mit (am besten kochend-heißem) Wasser übergießen. Je heißer das Wasser und je mehr Safranfäden, desto dunkelgelber bis orange wird die Farbe. Man kann dabei zusehen wie langsam die gelbe Farbe aus den roten Blütennarben tritt. Einfach Pinsel eintunken oder die Flüssigkeit mit der Pipette aufziehen und auf's Papier träufeln, sodass ein Fließbild ensteht.

TIPP: Sich zum Beispiel dem Bild-Thema Gelb annehmen. Auch Eier oder Tücher (auswaschbar) lassen sich damit färben.

P.s.: Ich hab' gedacht etwas, das euch besonders am Safran interessiert, könnt ihr leicht in einem Buch, im Internet nachschlagen, bei einem oder einer Safran-Experten/in eures Vertrauens erfragen oder in den Kommentaren unten deponieren. Habt ihr Ideen oder Infos? Sind natürlich gerne gelesen!

Eine Beobachtung die ich bei meiner Pflückerei gemacht habe möchte ich euch zum Schluss aber nicht vorenthalten...ich war kurz besorgt ob der vielen leblosen Bienen, die ich beim Abzwicken der Blüte entdeckt habe. Oh, oh! Sind sie möglicherweise durch Pestizide umgekommen?!  Ich informierte mich nachträglich: "Die Safranfelder in Gars am Kamp existieren seit 2011. Ende 2015 erhielt der Betrieb das Bio-Zertifikat und gilt daher ab der Ernte 2016 der Waldviertler Safran als Bioprodukt." (Quelle: meinbezirksblatt.at)

 

Wegen der Bienen werde ich auch schnell fündig: beinahe betrunken sollen sie von der aphrodisierenden Wirkung des Safrans sein. Ein Safran-Spezialist aus der Wachau aber verneint:

 

Safran blüht im Oktober. Da kann es schon recht frisch werden. Damit Bienen fliegen können, brauchen sie aber eine Mindesttemperatur von zehn Grad Celsius. Die ist oft nicht mehr gegeben, und sie kommen wahrscheinlich nicht mehr weg, weil es zu kalt geworden ist. Den ganz genauen Grund, warum man in der Früh ab und an Bienen in der Blüte findet, weiß ich nicht, Hangover ist es aber sicher keiner.“ (Quelle: biorama.eu)

 

Das erklärt auch warum aus den Blüten in der warmen Wohnung zurück in Wien dann plötzlich ein Brummen zu hören war. Die blinden Passagiere wurden dann tagsüber wieder ins Freie entlassen. Ich wüsste gerne ob die Safranbegeisterten wie ich wieder den Weg zurück ins Waldviertel geschafft haben - auch wie ich...


Lese-Tipps:

  • Eine Prise Gesundheit: Die verborgenen Heilkräfte der Gewürze, Sanja Lončar, Sabina Topolovec, Marija Kočevar Fetah, Nadja Baćac, Karin Hladnik, Christiane Kordić.
  • Recipes for Play. Creative Activities for Small Hands and Big Imaginations, Rachel Sumner and Ruth Mitchener.
  • Kastanienkleber und Konfettifarbe, Knetmasse, Farbe, Klebstoff & Co. zum Selbermachen: Rezepte von klassisch bis kurios, Nina Held. 
  • MAGenTA-ZINE Ausgabe Nr. 6: "Gelb" und Ausgabe Nr. 10: "Farben selber machen."  
  • Mehr Malanleitungen und ein paar Rezepte und Infos speziell zu SAFRAN gibt's in: Die Garten-Detektive: mit vielfältigen Experimenten, Spielen, Bastelaktionen, Leonore Geißelbrecht-Taferner. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Papschn (Dienstag, 01 November 2016 18:04)

    105 Minuten hard work und dann so viele Informationen herbeizaubern, das ist literarisches Gold!

  • #2

    Sophie (Mittwoch, 21 Dezember 2016 17:10)

    Danke danke!! <3 Aber mit dem "literarischen Gold" wollen wir es nicht übertreiben ;)