Kunstmarmor #2: Papiermarmorierungen

Inspiration von MAST Brothers - Bean to Bar Chocolate Makers, London | Wanddeko vom Leelah Loves Blog | Teller von Liberty London | DIY Postkarten vom Gute Güte Lifestyle Blog aus Salzburg
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Mein letztes Sommer-Thema liegt endlich auf dem Tisch. Mit gewaltiger Verspätung, aber einmal noch heißt es dieses Jahr: ein Hoch auf Marmorierungen! Papiermarmorierungen. Papierbögen, die in eine Wanne mit Flüssigkeit gelegt werden, die vorher mit marmorähnlichen Formen, Farben und Mustern mit Hand verziert wurde. 

Ich hab mich Anfang des Sommers schon mit Marmorpapier beschäftigt, jetzt will ich meine Experimente Revue passieren lassen und viel Inspiration zum Weiterüben im nächsten Sommer liefern (es sei denn, es rollt vorher noch ein Atelier um die Ecke). Was ich gleich vorausschicken möchte ist, dass ich keine Expertin auf dem Gebiet der Herstellung, sondern nur von künstlich hergestellten Musterungen, die an Marmor erinnern, fasziniert bin. (Kunstmarmor Teil 1 siehe hier.) 

 

Bei meinen Recherchen sind mir so viele Arten der Herstellung untergekommen, aber auch Gegenstände auf denen sich von Marmor-Papier herkommende Muster befinden, dass ich dafür eine neue Pinnwand auf Pinterest eingerichtet habe. Um alles auf einen Blick zu haben.

Wenn möglich, macht es euch gemütlich auf der Couch, umfasst eine dampfenden Tasse Tee und lasst euch von der Wirkung der künstlich-künstlerischen Marmor-Optik hinreißen, folgt den Mustern wenn sie das Papier verlassen und sich auf Verpackungen, Kleidung, Wänden, etc. niederlassen.

All die kreativen Inputs, die ich während meiner magic marble Marmorier-Monate im Sommer aufgeschnappt habe, sind nun hier versammelt...Sneakers mit wabernden Farbbahnen im Schaufenster von Cos in Rom, Schokoladenverpackungen mit marmornen Musterungen auf Instagram, Notizbüchlein im Stein-Design als Mitbringsel einer Freundin aus Malaysien, und so weiter und so fort.

Immer mehr davon, bitte! Am besten überall d'raufgedruckt...aber wenn ich jetzt fordere "auf die Kleidung mit all der schönen Papiermamorierung!", dann ist das leider keine Idee für eine neolithische Mode-Revolution, sondern eher Altsteinzeit. Sowas von last season, wenn man so will, weil etwa Stella McCartney sich bereits 2012 das Marmorpapiermuster von Emma D'Arcey auf ihre Rock-, Sakko- und Kleiddesigns drucken hat lassen, um sich dann der etwas ruhigeren naturnahen "Fels-Optik" auf Sportswear zuzuwenden. Und ja, das Natursteindesign ist heute noch en vogue! Ich aber liebe und trage ihn trotzdem noch, meinen Rock aus der Cos Kollektion von letztem Jahr - zu sehen auf den Fotos vom letzten Post oder hier. ;-)  


Auf Anfang. Bevor die bunten Muster "auf Marmorart" ihren Weg auf Kleidung und Co. finden konnten, waren sie begehrte Verzierungen in Büchern des 18. und 19. Jahrhunderts in unseren Breitengraden (erfunden wurde Marmorpapier in Japan bereits um das Jahr 1000). Das Bild links zeigt den Buchdeckel von "Meyer's Universum" von 1836. Das Buch selbst hat zwar keinen Inhalt mehr, aber der Einband war so schön #wabisabi, dass ich ihn trotzdem aus einem Stapel ausrangierter Bücher fischen 'musste'. Auch schön waren oft die Vorsatzpapiere in Büchern dieser Zeit.

Head up! Auf diese kunstvoll gestalteten ersten Seiten des Buches nimmt auch das Wandgemälde von 2013 mit dem Titel "Mit Vorsatz" von Helmut und Johanna Kandl in der LITERATURpassage des Museumsquartiers in Wien Bezug (Abb. oben rechts). Vorbild waren in dem Fall Vorsatzpapiere aus Büchern der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien (jetzt Besitz Albertina Wien) - welche das genau waren, kann man am Beginn des Durchgangs im MQ nachlesen. Man sieht, ich habe schon überall nur mehr Marmorierungen gesehen. ;-) 


 

Marble Magic! Ich habe anfangs einen Magic-Marble-Marmorier-Tag eingebaut. Schöne Kindheitserinnerungen kamen da hoch. Aber war aber nicht so leicht wie man vielleicht denken mag. Nur wenige machten halbwegs was her. Eine Mischung aus Planung und Zufall. Zuerst habe ich die fertigen Marmorierfarben nur in ein Wasserbad, dann in einen Tapetenkleistergrund hineingeträufelt, um mich dann ein wenig mehr zu "professionalisieren"... 

Professionelles Marmorieren erfolgt mit einem Marmoriergrund, der sog. "Schlichte", für den z.B. Carrageen (Isländisch Moos) in Pulverform zum Verdicken des Wassers verwendet wird. Die Papierbögen werden zur besseren Haftung der Farbe mit Alaunwasser eingestrichen. Dieses Tutorial war mir dabei hilfreich. Als Farben werden meist Gouachefarben verwendet, welche mit Ochsengalle vermengt werden. Für mehr Leuchtkraft und den richtigen Auftrieb! Hierbei ist darauf zu achten, dass höchstens 3 Tropfen Ochsengalle in helle Farben, und etwas mehr in dunkle Farben hineingeträufelt werden, sodass die Farben auf dem Carrageen-Grund gut aufschwimmen.

Das ist tatsächlich eine Kunst, die viel Übung und die richtige Dosierung verlangt! Das Bild oben zeigt eines meines ersten Ergebnisse, das zwar nicht so ausgefallen ist wie erwartet, mir aber trotzdem zusagt, weil mich die Textur an den Stuckmarmor der Altenburger Stiftsbibliothek erinnert- man beachte bitte auch den metallic-gold Effekt. :-)

 


Die schönsten Effekte bekam ich aber bis dato mit Tapetenkleister in Verbindung mit Kreuls Magic Marble Farben…(die aber nur mit Gummihandschuhen zu verwenden und auf die Kleidung achten.)

Die Begeisterung der Kinder beim Stein-oder-nicht-Stein-Workshop war jedenfalls groß! Hier ein „wow“, da ein „cool“, auch für die anderen hat man sich mitgefreut. Ich wünschte ich hätte das Ganze ein bisschen bewusster genießen oder sogar fotografisch festhalten können.

Aber es war zu chaotisch: bin immer von hier nach da geflitzt, hab ein Papier aus der Wanne gezogen, hab die Kids aufgefordert nicht so lange zuzuwarten einen Bogen auf das Muster zu legen, hab Zeitungspapier unter gelegt, fertige Marmorblätter vom Kleister befreit, indem ich sie abgewaschen habe ohne dass die Farbe abging (wieder so ein magischer Moment, denn die Farbe blieb auf dem mit Alaun bepinselten Blatt haften! ;-)) und hab mich vor allem gefragt warum das Marmorpapier der Kids so viel schöner geworden ist, als meines!? Sogar die unaufmerksamsten Kinder haben eindrucksvolle, freie Exemplare mit "eigenem Stil" hervorgebracht. Ich habe noch so viel zu üben...


FOTOCREDITS: 

Wer mir auf Instagram folgt, kennt das ein oder andere Foto hier vielleicht schon. 

 

Die Fotos des Titelbildes stammen im Uhrzeigersinn von: 

MAST Brothers - Bean to Bar Chocolate Makers, London. Schaut euch auch ihre anderen Verpackungsdesigns an, die sind wirklich toll!

Wanddeko vom Leelah Loves Blog

Teller von Liberty London

und DIY Postkarten vom Gute Güte Lifestyle Blog aus Salzburg. Eine Idee für Weihnachtskarten?! 

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Kommentare: 2
  • #1

    Martha (Freitag, 14 Oktober 2016 00:39)

    Hallo, liebe Sophie,
    als Ergänzung deiner Marmoriersammlung schlage ich vor Ebru - türkisch Marmorieren mal nachzuschlagen. Auf youtube kann man lange zuschauen weil es so meditativ ist...

  • #2

    Sophie (Freitag, 14 Oktober 2016 10:13)

    Danke, liebe Martha für die Ergänzung! Stimmt, natürlich ist mir Ebru auch untergekommen und streng genommen hätte ich es erwähnen können. (Vielleicht liest ja jemand auch die comments ;) Mir ist es mit den Youtube Videos nämlich wirklich so ergangen, dass ich beim Zuschauen ganz gebannt war und sonst voll abschalten konnte!