DIE KUNST DES BROTBACKENS UND EIN BISS-CHEN YOGA

Im August werden für mich immer die Erinnerungen an meinen ersten Yoga-Workshop wach, den ich in diesem Sonne-Monat 2010 am Neudeggerhof im Weinviertel absolvierte. Beim netten Rundumservice dort wurde uns zu Mittag zur Linsensuppe Dinkelbrot mit Körnern kredenzt. Das Rezept dieses leckeren Brotes und einen Muskelkater (Ashtanga!) hab ich mir mitgenommen. Der Muskelkater war nur von kurzer Dauer, während mir das Rezept noch immer als Basisanleitung zum Brotbacken dient. Dieses Rezept möchte ich zum Schluss des Artikels mit euch teilen und nehme es zum Anlass um zu fragen: Was haben gesundes Brot, Yoga und Kunst gemeinsam? 

Altbacken oder Hip?

In dem Buch „Die Kunst des Essens“ heißt es, dass es sich bei unserem täglich‘ Toastbrot oder Frühstücksbrötchen um ein „technisch massenhaft reproduzierbares Kunstwerk der Backmittelbastler, Teigarchtiekten und Brotaromakuratoren“ (Ich wünschte mir wäre dieser Satz eingefallen!) handelt, dessen Zutaten und Zusätze abartig anmuten. Der Eat Art Künstler Daniel Spoerri buk bereits in den 1960er Jahren Abfall in den Teig ein, um einerseits darauf aufmerksam zu machen welchen „Schrott“ wir zu uns nehmen und gleichzeitig aufzuzeigen, dass täglich ganze Laiber Brot im Müll landen.

Es zeigte sich aktuell eine Tendenz Lebensmittel selbst zu produzieren, weil man so weiß, was drin' ist und mit welchen Inhaltsstoffen man seinen Körper füttert. In der Zwischenzeit hat sich aber auch einiges bei den kritisierten Back-Ketten getan: Die aufgestellten Schilder, die dazu ermutigen das Personal nach Informationen zu Inhaltsstoffen zu fragen, ist nur eine davon. Neben dem "sichereren" DIY (="do-it-yourself" das durfte ich kürzlich lernen) Charakter wird das Brotbacken selbst zuweilen als therapeutischer Prozess und als kulinarische Meditationsform angepriesen: Die Möglichkeit zu entschleunigen, indem man die Aufmerksamkeit für einige Minuten auf das Gemenge verschiedenster Zutaten und Aromen richtet. Wenn man knetet, dann knetet man, wenn man bäckt, dann bäckt man... Ein yogischer Zugang

"Wie geht es dir?" "Ich backe."

"Wie geht es dir?" "Ich backe.“, heißt es in einer Szene in der Dokumentation "How to cook your life” über den Zen-Priester Edward Espe Brown. Er ist der Verfasser der "Bibel des Brotbackens“, das Tassajara Brotbuch. Er beschreibt die Essenz für gutes Brot wie folgt:

 

"Für ein gutes Brot braucht man mehr als eine Reihe von Zutaten wie Mehl, Wasser, Hefe, Milch, Öl, Salz oder Eier. Die Herstellung eines guten Brotes verlangt nach Aufmerksamkeit, Hingabe...und Liebe.

 

Zugegebenermaßen etwas abstrakt. Ganz so leicht lässt es sich für mich nicht umsetzen. Während des Knetens kreisen meine Gedanken immer wieder um irgendein anderes Thema: Ich stelle mir vor wie das Brot aussieht wenn es fertig ist, denke über den letzten Film nach, den ich gesehen habe. Dinge zu „Zerdenken“ war oft ein Hindernis für mich. Machen, statt Denken. Da hilft das Brotbacken!

Ich besinne mich wieder auf die Beschaffenheit des Teiges unter meinen Handflächen. Ich knete fest in lauwarmen Teig, ziehe ihn lang, fühle die klebrigen Teigreste auf meinen Fingern, schaue zu, wie er langsam aufgeht. Da ist er, der einzige Augenblick: Jetzt...jetzt...jetzt. Bevor ich dann den fertigen Teigling in den Ofen schiebe, darf ich noch einmal dem "Kult des Kreativen“ frohlocken: "Dekorflocken"! Um das Gustostückerl in seiner Schönheit nochmal zu unterstreichen. Hier zeigt sich die Lust und Liebe zum Dinge, die laut Ovid alle Mühe geringe macht. Würde ich hingegen täglich in Produktion gehen, würde es mit dieser Lust und Hingabe schon wieder anders aussehen. Bei aller Liebe...

Eine unrealistische Vorstellung nur mit immer gleich vorhandener Liebe und gebündelter Aufmerksamkeit Brot herzustellen, wie auch Brotkulturtheoretiker (ja, so etwas gibt es) warnen. Keine überbordende Spiritualisierung und Romantisierung des Brothandwerkelns, aber ein Umdenken und ein bewusstes Tun und Lassen jedes und jeder Einzelnen wird gefordert, denn das entscheide über die zukünftige Entwicklung der globalen Essensverhältnisse.

Für ein yogisches Dinkelbrot mit Körnern Braucht ihr: 

500 g Bio-Dinkelmehl ("Dinkel setzt Kreativen keine Grenzen“, schreibt Sonnentor und Hildegard von Bingen lobte bereits im Mittelalter den Dinkel als bestes Getreide "...er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen“.) 

1 Tasse Sonnenblumenkerne

1 Tasse Leinsamen (Als heimische Powersamen, könnte man die kleinen braunen Körner bezeichnen. Nicht nur das von weit her importierte Superfood hat es in sich, das "suprige" liegt auch oft so nah. In ihnen stecken Omega-3-Fettsäuren für den Aufbau von Nerven- und Gehirnzellen, sie sind reich an Ballasstoffen und deren unvergleichlich hoher Anteil an Lignanen reguliert den Hormonhaushalt. Gute Gründe um Leinsamen - maximal zwei Esslöffel - auch mal dem morgendlichen Müsli beizumischen.)

1 Tasse Sesam ungeschält

1 Päckchen Trockengerm

ich füge noch 1 Tl Brotgewürz (Kümmel, Fenchel, Koriander) vom Markt und 1/2 Tasse Chia-Samen hinzu. Diese sind kleine Energiebündel, enthalten Omega 3 und 6 und haben einen natürlich hohen Gehalt an Ballaststoffen, Calcium, Phosphor, Zink und Mangan. Hier kann man bei Eva Fischer von foodtastic eine wundervolle Beschreibung nachlesen, was die kleinen Samen so in sich haben.

1/2 l lauwarmes Wasser mit 1 El Salz und 2 El Essig über die obige Masse leeren und mischen. Einem Brotrezept von Sophie Dahl entlehnt, menge ich noch einen Esslöffel Honig bei. Tipp: Intensives Kneten und Reissen des Teiges verbessert dessen Qualität, weil Gärgase entweichen können.

Ca. 20 Minuten ruhen lassen (manchmal lasse ich ihn über Nacht stehen, Joseph-Brot wirbt damit dass ihr Brot 48 Stunden Rastzeit hat), anschließend lege ich den Teig in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform und bestreue ihn mit Haferflocken. Bei 180° ca. 45 Min im Ofen backen.

 

Es sorgt für gute Verdauung und kann daher gegenbenenfalls auch bei Verstopfung gegessen werden. Es ist zwar eine schlechte Überleitung, aber will euch sagen, es schmeckt am besten mit Butter und Honig, mit Hummus oder "oben ohne" zu Eierspeis' oder eben Linsensuppe. ;)

 

Habt ihr andere einfache Brot Rezepte, die ich ausprobieren kann? Bitte, immer her damit! Denn nach fünf Jahren gelüstet es meine Geschmacksnerven nach neuen Brot-Variationen.

 

Namasté und Mahlzeit! 

 

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